Der Imkerverein Schwäbisch Hall e. V. erstreckt sich heute über die Gemeindemarkungen Michelfeld, Rosengarten, Michelbach, Untermünkheim, über Teile von Vellberg, Obersontheim, Bühlertann und Bühlerzell und über das gesamte Stadtgebiet von Schwäbisch Hall.
Es war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, als sich überall im Land die Bienenzüchter zusammenschlossen. Einmal um sich eine Möglichkeit zum regelmäßigen Erfahrungsaustausch zu schaffen, zum anderen um gemeinsam alle erforderlichen Gerätschaften und Hilfsmittel auf erschwingliche Weise erwerben zu können. Schließlich aber auch um lukrative Absatzmöglichkeiten zu erschließen.
Zu jener Zeit gehörte fast zu jedem Bauernhof ein Bienenstand, aber noch immer waren es damals meist Lehrer und Pfarrer, die sich mit der Bienenzucht befassten. Dies freilich nicht nur der sinnvollen Freizeitbeschäftigung wegen, sondern vor allem auch um die in diesen Berufsgruppen damals recht kärglichen Einkünfte aufzubessern.
Am 21. September 1883, um 14:00 Uhr, erfolgte im Rittersaal zu Schwäbisch Hall (Saal im Gasthof einer früheren Brauerei Ritter) die Gründung des Schwäbisch Haller Imkervereins. Bereits am 28. Oktober 1883 war in Sulzdorf, ebenfalls um 14:00 Uhr die erste öffentliche Versammlung des neuen Vereins.
Dazu erschien, im Haller Tagblatt, am 2. November 1883, folgende Meldung: "Die erste Versammlung des Haller Bienenzüchtervereins, am vergangenen Sonntag in Sulzdorf, welche ziemlich stark besucht war, verlief programmäßig. Nach Begrüßung der anwesenden Mitglieder und Nichtmitglieder durch den Vereinsvorstand, wurden die Statuten berathen, wobei in eingehender Weise debattirt wurde, besonders über das Eintrittsgeld, welches auf 50 Pf. und den jährlichen Beitrag, welcher auf 1 M. 50 Pf., wie bei anderen Bienenzüchtervereinen, festgestellt wurde. Nach dieser Berathung erfolgte ein Vortrag über Einwinterung der Bienen, der in drei Hauptpunkten hervorhob: 1. Junge fruchtbare Königin, 2. gehöriger Wintervorrath und 3. Warmhaltung in Bienenwohnungen oder Überwinterung in einem geeigneten dunklen Stübchen im Hause.- Mitglieder bekam der Verein zirka 10 – 12 mehr, darunter den Schulfond Sulzdorf, zum Zwecke besonderer Belehrung der Schuljugend über die Bienenzucht.. Sehr anerkennenswert war es, dass Herr Flaschner Renftle von Hall, eine Anzahl Bienengeräthschaften aufstellte, wie Honig-schleuder, Faßkasten, Bienenlarve, Weißelzusatzkasten, Patentschieber etc. welche zur allgemeinen Belehrung wesentlich beitrugen."
Wer nun die ersten Funktionäre des Vereins waren, geht aus dem Bericht leider nicht hervor, doch lässt eine andere Quelle darauf schließen, dass es sich bei dem eigentlichen Gründer und erst gewählten Vorsitzenden um einen Lehrer Hirsching aus Gottwollshausen handelte. Auch seine Nachfolger im Amt, die Oberlehrer Herter und Fischer, kamen, wie aus alten Aufzeichn-ungen hervorgeht, aus dem kleinen aber bienenfreundlichen Schulhaus zu Gottwollshausen.
Danach bestimmte ca. drei Jahrzehnte lang Professor Fach aus Hall, die Geschicke des Vereins. Später folgten Rektor K. Seiler, (1939 bis 1969) Martin Schmid, (1969 bis 1972) Heinz Weippert, (1972 bis 1983) Förster Martin Bauer. (1983 bis 2003) Von 2003 bis 2007 übernahm Helene Heitmann als erste Frau die Verantwortung für den Verein. Der derzeitige Vorsitzende, Rolf Riek, seit 2007, kommt aus Bühlerzell.
Unter Karl Seiler wurde 1941 ein Lehrbienenstand in der Haller Stadtheide gebaut. Der Standort war zwischen den heutigen Firmen OBI und Weidner. (Weidnerwäldchen) Dieser musste dann der Industrieansiedlung weichen und wurde ins Baierbacher Tal verlagert, dort wo sich heute ein Jugendzeltplatz befindet. Wegen der abgeschiedenen Lage, – Öffentlichkeitsarbeit und die Fortbildung der Imkerschaft war erschwert - und auch wegen dem ständigen Einwachsen in den umstehenden Wald, machte sich die Vorstandschaft 1985, auf die Suche nach einem neuen Standort.
Bereits am 5. Februar 1986 konnte der Pachtvertrag über eine Streuobstwiese am Starkholzbacher See abgeschlossen werden. Hier war alles gegeben was für einen Lehrbienenstand wichtig war, u. a. eine Bushaltestelle (Haltestelle Starkholzbacher See) Parkmöglichkeiten auf dem Kuhriegel-parklplatz, der vorbeiführende Radweg zwischen Schwäbisch Hall und Mainhardt, sowie der stark frequentierte Weg vom Parkplatz zum See der ebenso direkt am Lehrbienenstand vorbeiführt.
Nachdem für den alten Lehrbienenstand eine Umsetzaktion unzumutbar war, entschloss man sich zu einem Neubau.
Mit Hilfe des Stadplanungsamtes, hier sei besonders der ehemalige Stadtplaner Brückner erwähnt, wurden die beiden Gebäude, - ein Häuschen für die Bienen, ein Häuschen für die Imker, - also Bienenhaus und Schulungsraum gebaut. Dankbar entgegengenommen wurde das gesamte Bauholz, das von der Hospitalforstverwaltung kostenlos zur Verfügung gestellt wurde. Aber erst die Eigenleistung der Vereinsmitglieder machte die Verwirklichung des Bauvorhabens überhaupt möglich. In diesem Zusammenhang muss besonders Hermann Lechner aus Gelbingen erwähnt werden, der die Bauarbeiten koordinierte und die Imker immer wieder zur Mitarbeit motivierte.
Im Mai 1989 konnte das neue Informationszentrum der Imker eingeweiht werden. Im Rahmen von regelmäßigen Monatsversammlungen während der Sommermonate, (jeden letzten Dienstag eines Monats, ab 19:30 Uhr) erfolgt ein reger Erfahrungsaustausch. Im Abstand von 2 – 3 Jahren wurden und werden Anfängerlehrgänge angeboten und zahlreiche Imker konnten hier schon in die Grundlagen einer erfolgreichen Bienenhaltung eingewiesen werden.
Seit der Fertigstellung des Lehrbienenstandes haben bei den angebotenen Führungen schon viele Gruppen und Vereine, - vom Kindergarten bis zum Gymnasium, vom Albverein bis zu den Mitarbeitern des Finanzamtes – einen Einblick gewonnen in die Wunderwelt der Bienen und der Imkerei.
Durch das alljährliche Sommerfest im August, sind die Imker ein fester Bestandteil im Veranstaltungskalender der Haller Teilgemeinde Bibersfeld geworden. Die öffentlichen Honigschleuderungen mit Kostproben des frisch geschleuderten Honigs erfreuen sich zunehmender Beliebtheit.
Waren es 1983 noch rund 2500 Bienenvölker die von 125 Imkern betreut wurden, so waren es, zum 012. 01. 2007, noch 107 Imker mit 1473 gemeldeten Bienenvölkern. Noch immer ist der Lehrbienenstand am Starkholzbacher See das „Begegnungszentrum“ der Imker des Bezirksimkervereins Schwäbisch Hall e. V. – so heißt der Verein heute – und diese sind froh darüber, dass sie vor Ort, in einer artgemäßen, bienenfreundlichen Landschaft, die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch und zur Weiterbildung nutzen können.
Interessante Termine
19. Jun. 2012 Di. Arten- und blütenreiche Landschaften für Honigbiene & Co. Rheinstetten, Landwirtschafliches Technologiezentrum Augustenberg Mehr ...